Warum ein guter Scrum Master unsichtbar ist.

Ein Scrum Master ist kein Projektmanager, der alle Teile eines Projekts zusammenführt, Entscheidungen trifft und das Team leitet.

Klassisches Projektmanagement funktioniert ganz brauchbar in der Wasserfall Methodik, aber es funktioniert überhaupt nicht auf der agilen Team-Ebene. Hier ist ein guter Scrum Master gefragt. Aber was zeichnet ihn aus?

Ein guter Scrum Master unterstützt das Team auf vielen Arbeitsebenen und sorgt dafür, dass das Projekt voranschreiten kann. Er stellt die Scrum-Regeln vor und kontrolliert deren Einhaltung, er moderiert die Meetings und kümmert sich um die Behebung von Störungen und Hindernissen. Er ist eine dienende Führungskraft, die keine Arbeitsanweisungen gibt, sondern den internen Prozess coacht. So unsichtbar und flexibel wie möglich.

Der Flow steht im Fokus – nicht der Fahrplan.

Ein agiles Team arbeitet anders als ein Team in der Wasserfall Methodik. Selbstorganisation, Handlungs- und Entscheidungsfreiheit, die Offenheit, eingeschlagene Wege wieder zu verlassen und schnell auf neue Situationen zu reagieren – all das zeichnet ein agiles Team aus.

Der Scrum Master sorgt dabei für ein ungestörtes, offenes Arbeitsklima und überwacht die Methodik und die Qualität der Zusammenarbeit, nicht die Qualität der Arbeitsthemen oder Resultate.

Sein wichtigstes Anliegen ist die Form, nicht der Inhalt. Das Funktionieren der Prozesse ist wichtiger als das Abarbeiten eines Fahrplans. Er muss Verantwortung für sein Team übernehmen und dem Team doch Freiheiten lassen. Würde er versuchen, seine eigenen Ideen und Sichtweisen über die des Teams zu stellen, entstände eine Art Wasserfall 2.0. Ein Scrum Master darf nicht autoritär auftreten, muss aber in der Lage sein, seine Mitarbeiter zu lenken und er muss darauf achten, dass das Team die Ziele eines Sprints nicht aus den Augen verlieren.

Ist Fachwissen ein Korsett oder ein Sprungbrett?

Weder noch. Aber Fachwissen hilft dem Scrum Master bei seiner Arbeit, wenn er zum Beispiel technische Probleme begreifen muss. Mit entsprechendem Fachwissen kann er dann besser einschätzen, wie viel Zeit das Team brauchen wird, und er kann thematisch passende Entwicklungsmethoden leichter auswählen.

Doch wichtiger als Fachwissen sind seine Kenntnisse im agilen Arbeiten, das Wissen um das Wie – nicht um das Was.

Und die Fähigkeit, dem Team jederzeit Transparenz und Orientierung zu geben.

Fokussieren, filtern, führen.

Ein Scrum Master kümmert sich darum, dass die Mitarbeiter sich nur mit den Themen beschäftigen, die sie auch betreffen. Hier ist Fokussierung gefragt. Und dezentes Filtern. Denn jeden neuen Gedanken eines Stakeholders unvermittelt in ein Meeting einzuwerfen, führt eher zu Verunsicherung als zu guten Ergebnissen. So kann der Scrum Master störende Beiträge aus den Meetings fernhalten und zum Beispiel dem Product Owner nach (!) den Gesprächen mit den Stakeholdern helfen, das Product Backlog zu führen, richtige Prioritäten zu setzen und sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

Aber auch die Selbstbeschränkung gehört dazu. Denn manche Scrum Master neigen dazu, eine Entscheidung über die Köpfe des Teams hinweg zu treffen, statt nur beratend einzugreifen.

Wem dies als Scrum Master bewusst wird, der sollte in Meetings häufiger nachfragen als zu voreilig Antworten zu geben. Vertrauen in die Klugheit des Teams ist notwendig, sonst kann sich das Team weder bewähren noch entwickeln.

Nur wer seine Grenzen kennt,
kann Team-Fähigkeiten sinnvoll zusammen bringen.

Ein Scrum Master ist zwar vielseitig, aber kein Tausendsassa. Fremde Zuständigkeiten müssen immer in der Hand der Verantwortlichen bleiben.

Der Product Owner zum Beispiel hat genau so sein abgestimmtes Aufgabenfeld wie der Lead Developer oder der Scrum Master.

Ein Fischen in fremden Gewässern kann problematisch werden und sollte möglichst vermieden werden. Die damit fälschlicherweise betrauten Mitarbeiter haben in der Regel weder die nötige Zeit noch die notwendigen Kompetenzen. Und ein Scrum Master, der sein Aufgabenfeld überschreitet, sorgt für Verwirrung und gefährdet den Erfolg des agilen Prozesses.

Auch wenn es keine
verbindliche Aufgabenbeschreibung für Scrum Master gibt,
plant er.

Sprints, fungiert er als reiner Berater oder greift er dezent ein? – so lässt sich doch sagen, dass Scrum Master hautnah am Prozess arbeiten.

Und doch gilt: Scrum ist zwar ein erfolgversprechender Weg, um agil zu arbeiten, aber er ist nicht der einzige Weg, der zum Ziel führt.

Wer mit Scrum arbeiten will, muss zunächst dem grundlegenden Rollenmodell zustimmen und die Verantwortlichkeiten festlegen.

Wie auch immer die Entscheidung fällt, agile Teams brauchen einen versierten Berater an ihrer Seite, idealerweise einen Scrum Master, der seinen Job versteht und liebt.